Qualitätsstandards
für die Durchführung eines AAT® und CT®
Das Thema Jugendgewalt bestimmt seit Anfang der
neunziger Jahre dauerhaft die pädagogischen
Diskussionen in verschiedenen Bereichen der
Jugendhilfe (hier insbesondere in der Jugendfreizeit-
und Jugendsozialarbeit), des Jugendstrafvollzugs und
der Bewährungshilfe sowie der schulischen Bildung
und Erziehung. Anti-Aggressivitäts-Trainings haben
Konjunktur. Was aber sind die fachlichen Standards
dieser Methoden, wenn sie als praxisgerecht und als
Grundvoraussetzung für Verhaltensänderungen
gewaltbereiter Wiederholungstäter gelten sollen?
Das AAT® ist im Bereich der tertiären Prävention
(Rössner 1973, S. 218 f.) bei der Bewährungs- und
Jugendgerichtshilfe, beim Paragraph 10 JGG und in
den unterschiedlichen Formen des Strafvollzugs
anzusiedeln. Behandlung von gewaltbereiten
Wiederholungstätern unter Zwang (vgl. Sozialmagazin
1/1997)wird als Einstiegs- Sekundärmotivation
akzeptiert. Das Coolness-Training orientiert sich am
Bereich der sekundären Prävention und setzt in
Schule, Peer-group, Streetwork und Jugendhilfe auf
Freiwilligkeit.
Zielgruppe: Hierzu zählen Jugendliche,
Heranwachsende und junge Erwachsene, die sich
gerne und häufig schlagen, die selbstbewußt auftreten
und Spaß an der Gewalt haben. Sie müssen kognitiv
und sprachlich dem Programm folgen können, das auf
einem lerntheoretisch-kognitiven Paradigma basiert.
Diese Trainingsprogramme sind nicht geeignet für
Suizidale, für Grenzfälle zur Kinder- und
Jugendpsychiatrie, für vorherrschen Alkohol- und
Heroinabhängige, für Mitglieder der organisierten
Kriminalität. Zur Zielgruppe zählen vielmehr
stadtbekannte Schläger, Hooligans, Skinheads und
Schläger aus multiethnischen oder monoethnischen
Gangs.
Der zeitliche Rahmen der Programme umfaßt bei
einer Gruppengröße von fünf Teilnehmer zirka sechzig
Stunden.
Die Gruppenleitung umfaßt in der Regel zwei
MitarbeiterInnen mit abgeschlossenem
Hochschulstudium in Sozialer Arbeit, Sozialpädagogik,
Erziehungswissenschaft, Psychologie oder
Kriminologie, davon einer mit qualifizierter
Zusatzausbildung zum/zur Anti-Aggressivitäts-
TrainerIn, inklusive Selbsterfahrung auf dem
sogenannten »heißen Stuhl«.
Der Trainingseinstieg umfaßt die Motivationsarbeit
durch Tätergespräche erlebnispädagogisches,
beziehungsaufbauendes »Locken« sowie eine
interessante spannende, konfrontative
Gesprächsführung und Sitzungsgestaltung, z. B. mit
Co-Trainern (Ex-Schläger, friedfertige Kampfsportler).
Sekundäre Behandlungsmotivationen, wie richterlicher
Druck, drohender Schulverweis, drohender Widerruf
oder anstehende Gerichtstermine sollen nach den
ersten vier Sitzungen einem primären Interesse
weichen.
Die Trainingsinhalte umfassen folgende Eckpfeiler:
- Einzelinterviews im Beisein der Gruppe
- Analyse der Aggressivitätsauslöser
- Tatkonfrontation und Provokationstest auf dem
heißen Stuhl
- Opferbriefe, Opferfilme und Opferaufsätze zur
»Einmassierung« (Redl 1974) des Opferleids
- Distanzierungsbrief zur Gewalt an die Clique.
Das optimistische Menschenbild des Anti-
Aggressivitäts- und Coolness-Trainings signalisiert: Die
Professionellen sollten den Täter als Person mögen,
bei gleichzeitiger massiver Ablehnung seiner
Gewaltbereitschaft, denn »there is no bad
boy«.(Ferrainola 1984)